Human-in-the-Loop: Warum der KI-gestützte SDLC ein geschichtetes Review-Modell erfordert
Wertschöpfung jenseits des Editors Die eigentliche Wertschöpfung der Softwareentwicklung war schon immer die Auslieferung funktionierender Systeme (working software) und nie das manuelle Schreiben von Code. Das Schreiben von Code ist die notwendige Übersetzungsschicht, also die handwerkliche Barriere, um z. B. fachliche Anforderungen maschinenlesbar zu machen. Dass dieser Schritt historisch als der größte Engpass wahrgenommen wurde, lag vermutlich weniger an der Zeit, die das Schreiben von Code beanspruchte. Empirische Untersuchungen zur Zeiteinteilung von Entwicklern zeigen beständig, dass innerhalb der eigentlichen Programmiertätigkeit der Großteil der Zeit in das Lesen von Code und das Verstehen komplexer Systeme fließt1, während die Programmiertätigkeit gemessen an der Gesamtarbeitszeit von Entwicklern nur einen geringen Anteil ausmacht2. Diese Beobachtung lässt sich in Beziehung setzen zu der von Fred Brooks bereits 1986 in seinem einflussreichen Aufsatz No Silver Bullet getroffenen Unterscheidung zwischen essenzieller Komplexität, also der Fachlogik eines Problems selbst, und akzidenteller Komplexität, der Mühe ihrer technischen Umsetzung.3 Daraus lässt sich ableiten, dass die Herausforderung schon immer im Mangel an Personen lag, die essenzielle Komplexität überhaupt durchdringen und in eine korrekte Struktur überführen konnten. ...